Anwendung von atmungsaktiven Materialien

Die Anwendung von atmungsaktiven Materialien trägt dazu bei:

  • Feuchtigkeitsregulierung in Bauwerken und Holzoberflächen zu gewährleisten
  • Schimmelbildung und Feuchtigkeitsschäden zu verhindern
  • Das Raumklima durch eine natürliche Luftzirkulation zu verbessern
  • Die Langlebigkeit von Gebäuden, Fassaden und Holzkonstruktionen zu erhöhen

Ohne atmungsaktive Materialien können Feuchtigkeitseinschlüsse entstehen, die zu Schäden wie Schimmel, Abplatzungen und Fäulnis führen.


Gesetzliche Vorgaben und Normen für atmungsaktive Materialien

Internationale und europäische Normen

  • DIN EN ISO 7783 – Bestimmung der Wasserdampfdiffusion von Baustoffen
  • DIN 4108-3 – Anforderungen an Feuchteschutz im Bauwesen
  • DIN 18550-1 – Anforderungen an mineralische Putze für Innen- und Außenanwendungen
  • EN 15824 – Anforderungen an atmungsaktive Fassadenbeschichtungen
  • RAL-Gütezeichen GZ 830 – Umweltfreundliche, diffusionsoffene Beschichtungen

Mindestanforderungen an atmungsaktive Materialien

Kriterium

Anforderung

Diffusionsoffenheit

Vermeidung von Feuchtigkeitseinschlüssen

Feuchtigkeitsregulierung

Aufnahme und Abgabe von Wasserdampf

Schimmelresistenz

Schutz gegen Pilzbefall und Kondenswasserbildung

Umweltfreundlichkeit

Frei von Schadstoffen und lösemittelarm

Langlebigkeit

Widerstand gegen Witterung und mechanische Belastung


Arten atmungsaktiver Materialien

1. Mineralische Putze für Fassaden und Innenräume

  • Hohe Diffusionsfähigkeit, verhindert Feuchtigkeitsstau
  • Enthält Kalk, Lehm oder Silikat für eine natürliche Schimmelresistenz
  • Ideal für Denkmalschutz, Fachwerkhäuser und ökologische Bauweisen

2. Kalk- und Silikatfarben für natürliche Feuchtigkeitsregulierung

  • Hoch diffusionsoffen, nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab
  • Antibakterielle Eigenschaften, ideal für feuchte Räume wie Bäder oder Keller
  • Anwendung auf Innenwänden, Fassaden und Holzkonstruktionen

3. Lehmfarben und Lehmputze für ein gesundes Raumklima

  • Reguliert die Luftfeuchtigkeit auf natürliche Weise
  • Frei von chemischen Zusätzen, vollständig biologisch abbaubar
  • Besonders geeignet für ökologische Wohnkonzepte und Fachwerkhäuser

4. Holzschutzlasuren und Öle für atmungsaktive Holzbehandlung

  • Dringen tief ins Holz ein, ohne eine dichte Schicht zu bilden
  • Wasserabweisend, aber diffusionsoffen für eine natürliche Feuchtigkeitsabgabe
  • Anwendung auf Holzfassaden, Möbeln und Fußböden

5. Diffusionsoffene Dämmstoffe für Fassaden und Innenräume

  • Verhindern Feuchtigkeitsstau in Wänden und verbessern das Raumklima
  • Natürliche Materialien wie Holzfaser, Hanf oder Schafwolle
  • Einsatz in Dachdämmungen, Innenwänden und Fachwerkhäusern

Materialien für atmungsaktive Beschichtungen und Baustoffe

Material

Eigenschaften

Einsatzbereich

Mineralischer Putz

Diffusionsoffen, schimmelresistent

Fassaden, Innenwände

Kalkfarbe

Atmungsaktiv, antibakteriell

Innenräume, Denkmalschutz

Lehmfarbe

Natürlich, feuchtigkeitsregulierend

Wände, ökologische Bauweise

Holzlasur

Dringt tief ein, erhält die Maserung

Außenholz, Möbel, Fassaden

Hanf- oder Holzfaserdämmung

Atmungsaktiv, nachhaltige Wärmedämmung

Dach, Innenwände, Fachwerkhäuser


Methoden zur Applikation atmungsaktiver Materialien

1. Vorbereitung der Oberfläche

  • Reinigung: Entfernung von Staub, Schmutz und alten Farbschichten
  • Untergrundprüfung: Sicherstellen, dass der Untergrund fest, trocken und tragfähig ist
  • Grundierung: Falls nötig, mineralische Grundierungen für bessere Haftung auftragen

2. Applikationstechniken

Technik

Einsatzbereich

Vorteile

Pinselauftrag

Wände, Holz, Fassaden

Gleichmäßige Verteilung, präzise Verarbeitung

Sprühverfahren

Großflächige Anwendungen

Schneller Auftrag, gleichmäßige Deckkraft

Spachtelauftrag

Lehm- oder Kalkputz

Strukturierte Oberfläche, gute Feuchtigkeitsregulierung

3. Trocknungs- und Aushärtungszeiten

Material

Trocknungszeit

Endgültige Belastbarkeit

Mineralischer Putz

24–48 Stunden

7 Tage

Kalkfarbe

6–12 Stunden

48 Stunden

Lehmfarbe

8–12 Stunden

5 Tage

Holzlasur

6–8 Stunden

24 Stunden


Wartung und Erneuerung atmungsaktiver Beschichtungen

  • Regelmäßige Reinigung mit milden Reinigungsmitteln, um die Diffusionsfähigkeit zu erhalten
  • Überprüfung auf Feuchtigkeitseinwirkungen oder Rissbildung, um rechtzeitig nachzubessern
  • Erneuerung von Holzlasuren alle 3–5 Jahre, je nach Witterungseinfluss
  • Nachbehandlung von mineralischen Putzen bei Beschädigungen oder Abplatzungen

Häufige Fehler bei der Anwendung atmungsaktiver Materialien

  • Verwendung nicht diffusionsoffener Beschichtungen auf atmungsaktiven Untergründen → Feuchtigkeitsstau und Schimmelbildung
  • Unzureichende Vorbereitung der Oberfläche → Schlechte Haftung und reduzierte Schutzwirkung
  • Falsche Materialwahl für den Einsatzbereich → Zu geringe Widerstandsfähigkeit gegen Witterung oder mechanische Belastung
  • Zu dicke Schichten aufgetragen → Blockierung der natürlichen Feuchtigkeitsregulierung

FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Anwendung atmungsaktiver Materialien

Welche Farbe eignet sich für feuchte Innenräume?

Kalkfarben oder Lehmfarben sind besonders diffusionsoffen und verhindern Schimmelbildung.

Wie oft müssen atmungsaktive Holzlasuren erneuert werden?

Je nach Beanspruchung und Witterungseinfluss alle 3–5 Jahre.

Kann man mineralische Farben auf normale Dispersionsfarben auftragen?

Nein, alte Dispersionsfarben müssen entfernt werden, um die Diffusionsfähigkeit zu gewährleisten.

Sind atmungsaktive Materialien auch für den Außenbereich geeignet?

Ja, mineralische Putze, Kalkfarben und Holzlasuren sind wetterbeständig und atmungsaktiv.

Welche Dämmstoffe sind besonders atmungsaktiv?

Hanf-, Holzfaser- und Schafwolldämmungen regulieren Feuchtigkeit und verhindern Schimmelbildung.


Fazit

Die Anwendung atmungsaktiver Materialien ist entscheidend für eine gesunde Bausubstanz und eine natürliche Feuchtigkeitsregulierung. Durch die richtige Materialwahl, fachgerechte Applikation und regelmäßige Wartung lassen sich langlebige, schimmelresistente und nachhaltige Oberflächen realisieren.